Künstliche Kletterwände im Freien (aktualisiert Mai 2020)

Leider gibt es nicht mehr viele künstliche Kletterwände im freien, die für jedermann zugänglich sind, zumindest nicht in der Region in der ich gewöhnlich unterwegs bin.

Eine der spektakulärsten Wände ist bestimmt die Kletterwand am Biomassekraftwerk Wicker (Rhein-Main-Gebiet), eröffnet 2005 durch keinen geringeren als Reinhold Messner. Mit knapp 20 Metern Höhe und Routenlängen bis knapp 25 Metern ist die Wand eine echte Attraktion.

Besonders die Struktur der Wand setzte sich deutlich von den in den meisten Hallen verwendeten Platten ab.

Der Betrieb an der Wand wurde durch den ursprünglichen Betreiber zum Ende 2018 eingestellt. Mittlerweile hat sich ein Verein gegründet der versuchen will, den Betrieb wieder aufzunehmen. Update 30.10.2019: Der Betrieb an der Kletterwand wurde wieder aufgenommen, der Verein hat sich etabliert und eine Nutzungsvereinbarung mit dem Betreiber des Biomasse-Kraftwerks abgeschlossen. Weitere Infos unter  kletterfreunde-wicker.de oder auf Instagram

Eine weitere Outdoor Kletterwand in der Rhein/Main Region steht in Taunusstein, zwar ist diese doch sehr klein, dafür kostenfrei zu nutzen, wenn man Mitglied im DAV Wiesbaden ist und jemand einen Schlüssel dazu hat 🙂 Update 30.10.2019: Die Wand sollte wegen der anstehenden Sanierung der Sporthalle leider zum Jahresende abgebaut werden. Update Mai 2020: Die Sanierungsarbeiten wurden verschoben und die Wand steht deshalb bis auf weiteres autorisierten Kletterern zur Verfügung.

Was ist eigentlich: eine Panikexe

Der Begriff “Panikexe” hat vielleicht schon mal die Runde gemacht, aber wisst ihr auch, was damit eigentlich gemeint ist?

„Was ist eigentlich: eine Panikexe“ weiterlesen

Klemmkeil – Tricam – Hex

Klemmkeil, Tricam und Hexcentric – gängige passive Sicherungsgeräte. Doch was sind eigentlich die Unterschiede? Klemmkeile gibt es im Klettersport schon seit Generationen, in unterschiedlichen Ausführungen und vielen Größen.

Hier ein kompletter Satz von meinem Gurt, die kleine Ausführung. Gerne trennt man den Satz kleiner Klemmkeile von der grossen Variante, dann hat man für den Einsatzzweck gleich ein passendes Exemplar zur Hand.

Aus dem Big Wall Klettern kommen diese Klemmkeile, besonders klein für feinste Risse. Leider halten diese auch nicht so gut wie ihre größeren Brüder, man sollte es also nicht unbedingt drauf ankommen lassen.

Die aktuellere Variante des Klemmkeils ist der Tricam. Einerseits können Tricams wie gewöhnliche Klemmkeile gelegt werden, halten etwas besser bedingt durch die innovativere Bauform. Alternativ lässt sich das Textilband halb um den Keil legen, hierdurch entsteht unter Belastung eine Klemmwirkung, die allerdings auch den Riss in dem der Tricam liegt beschädigen kann (Sprengwirkung).

In dieser Variante sollte der Tricam nur in stabile Risse platziert werden.

Die größte Variante eines Klemmkeils ist der sogenannte Hexcentric.

Von Finger bis Faustgröße deckt der Hexcentric grosse Risse ab, allerdings kann sich der Hex unter Belastung auch ordentlich festklemmen, daher beim legen schon mal die Zugrichtung beachten. Ich habe zum lösen eines Hex schon mal den Hammer holen müssen ….

kleine Karabinerkunde Teil 2 – Schnappkarabiner

Nach den Verschlusskarabinern folgt heute eine kleine Karabinerkunde zum Thema Schnappkarabiner.

Schnappkarabiner gibt es in unterschiedlichen Ausführung, die beiden wesentlichen Unterscheidungen sind der Verschlussbügel. Oben ist ein Karabiner mit einem massiven Verschlussbügel abgebildet, diese waren lange der Standard.

Der zweite abgebildete Karabiner hat statt eines massiven einen Drahtschnapper. Nun mag man meinen, der massive sei doch viel stabiler, aber dem ist nicht so, in der Stabilität und Belastbarkeit gibt es bei beiden Variationen keinen Unterschied.

Der wesentliche Unterschied, neben der Gewichtsersparnis beim Drahtschnapper, liegt an ganz anderer Stelle. Schlägt ein Karabiner mit massivem Schnapper mit der Rückseite gegen den Fels wird durch die Masseträgheit des Schnappers dieser kurz ein kleines Stück geöffnet. Während dieser kurzen Zeitspanne ist die maximale Bruchlast des Karabiners deutlich verringert, sie liegt jetzt nur noch beim angegebenen Wert für Belastung Schnapper offen. Dies wird durch den Drahtschnapper extrem reduziert, da dieser sich in der beschriebenen Situation so gut wie nicht bewegt – hier muss der Anprall schon extrem hart sein, damit die Masseträgheit den Drahtschnapper öffnen lässt.

Daher sieht man heute sehr häufig Expressen mit einem Draht- und einem massiven Schnapper. Die Seite mit dem massiven Schnapper kommt in den Haken, in den Drahtschnapper kommt das Seil. Das hat gleich noch einen weiteren Vorteil: man kann die Karabiner beim clippen nicht so leicht vertauschen, das Seil läuft immer durch den gleichen Karabiner. Karabiner die in Haken gehängt wurden, weisen bereits nach kurzer Zeit kleine scharfkantige Beschädigungen auf, die zwar keinen nennenswerten Einfluss auf die Bruchlast haben, aber ein Seil schnell beschädigen können.

Auf diesem Bid kann man die kleinen, scharfen Beschädigungen erkennen, diese wirken auf ein Seil wie eine Raspel.

Dieser Schnapper wurde nur vom Seil belastet, man sieht den gleichmassige Einschliff oben. Auch dieser Einschliff hat, wenn er tief genug wird Einfluss auf das Seil, es entsteht irgendwann eine Kante, die im sehr ungünstigen Fall einen Seilriss verursachen kann.

Schnappkarabiner sind in vielen unterschiedlichen Größen am Markt, dieser hier hat eine besonders grosse Bauform und passt gut durch grosse Haken und Ringe.

Dies ist der Karabiner einer sogenannten “Panik-Exe”. Der obere und untere Karabiner sind mit einem besonders langen, steifen Bandmaterial verbunden, dass sich gut greifen lässt. Man kann den Schnapper des Karabiners in dem Mechanismus arretieren und dann weiter oben liegende Haken clippen, der Haken löst dann automatisch die Sperre und der Karabiner ist wieder verschlossen.

Diese Karabiner sieht man auch gerne im Geschäft, sie sind jedoch keine Kletterkarabiner sondern eher für den Schlüsselbund gedacht, beim Klettern würden sie keine nennenswerte Belastung aushalten.

kleine Abseilkunde

Spätestens wenn es im Klettergarten in Mehrseillängen geht oder man eine vogestiegene Route abbauen möchte stellt sich die Frage nach dem passenden Abseilgerät. Ich stelle hier die gängigen Methoden vor.

Abseilachter

Der klassische Abseilachter ist immer noch das in Klettergärten (und alpin) am weitest verbreitete Tool, wenn es ums abseilen geht. Robust und günstig, und wenn man es gut beherrscht auch für eine schneller Fahrt abwärts geeignet. Nachteil: das Seil krangelt gerne und bei fehlerhafter Verwendung ist man schneller (und ggfs. auch weiter) unten als gedacht. Grundsätzlich sollten die beiden durchlaufenden Seilstränge jeweils am Ende einen Sicherungsknoten haben, damit man nicht versehentlich über das Seilende hinaus abseilt. Ausserdem ist es sehr sinnvoll, die Seilstränge mit einer Reepschnur per Prusikknoten zusätzlich gegen versehentliches Loslassen zu sichern.

Den Abseilachter gibt es in unzähligen Farben und Formen, die Handhabung ändert sich jedoch nicht wesentlich.

Alternative Abseilmethoden

Neben dem Achter gibt es natürlich noch andere Methoden sich selbst abzuseilen, hier eine kleine Auswahl.

Abseilen kann man auch mit dem ATC Guide, man führt beide Stränge durch das ATC und den mit dem Gurt verbundenen Karabiner. Funktioniert ähnlich gut wie der Achter, es krangelt nicht so stark. Die Risiken sind die gleichen wie beim Achter, da die Bremswirkung beim Loslassen des Seils nicht mehr vorhanden ist. Daher am besten auch per Prusik hintersichern. (Knoten in den Seilenden ist bei allen gezeigten Methoden ein absolutes Muss!) Vorteil: Wenn man sowieso per ATC sichert benötigt man kein weiteres Gerät am Gurt.

Ebenfalls Abseilen kann man mit einem Smart Alpin, auch hier beide Seilstränge durch das Gerät und den mit dem Gurt verbundenen Karabiner. Grösster Vorteil: Man dosiert die Abseilgeschwindigkeit durch den Kippwinkel des Geräts, bleibt es in Nullstellung geht es nur noch sehr langsam oder überhaupt nicht weiter abwärts. Knoten am Seilende sind ein Muss!

Grundsätzliches: Bevor man die hier beschriebenen Methoden verwendet ist es absolut erforderlich, die Handhabung der gezeigten Geräte zu beherrschen. Einen Artikel zu lesen und dann zu glauben, man beherrsche die Technik ist fahrlässig! Daher sind die hier gezeigten Tipps informativ und ersetzten keine entsprechende Ausbildung, keine Gewähr bei eventuellen Unfällen.