Lebensende: Wann man ein Seil ausmustern sollte

Ein nicht ganz billiges Teil des Kletterequipments ist das Seil. Trotzdem ist dies meist das Teil mit der kürzesten Lebensdauer. Wobei sich die Lebensdauer natürlich deutlich dadurch unterscheidet, wie und wo das Seil genutzt wird. Geht man von der Zahl der Einsätze aus, wird ein Hallenseil wohl ein vielfaches mehr an Einsätze mitmachen als ein Seil, welches im Outdoorbereich oder sogar alpin genutzt wird.

Grundsätzlich liegt die maximale Nutzungsdauer bei dem, was der Hersteller angibt, oft sind das bei Nicht-Nutzung bis zu 7 Jahre, bei häufiger Nutzung jedoch sogar deutlich unter einem Jahr. Ein Hallenseil muss zwar in der Regel deutlich mehr Stürze halten als ein Outdoorseil – das liegt in der Natur des Kletterns – allerdings sind dies meist sehr kontrollierte Stürze mit niedrigem Fangstoß und insbesondere kontrollierter Umgebung. Scharfe Kanten sollten bei einem Sturz in der Halle nicht auf das Seil einwirken können (ansonsten sollte man mal die eigene Ausrüstung kritisch prüfen). Ein Hallenseil wird man eher ausmustern, wenn der Mantel pelzig wird und hierdurch das Handling erschwert wird. Stürze im Normbereich, womit ein Seil vom Hersteller geprüft wird, kommen in der Halle nicht vor.

Im Outdoorbereich des Sportkletterns, also in Klettergärten oder ähnlich abgesicherten Arealen liegt der grösste Seilverschleiss beim Führen des Seils über Fels und insbesondere Kanten. Hier empfiehlt es sich, Zwischensicherungen zu verlängern, wenn das Seil dadurch aus dem erhöhten Abriebsbereich oder der gefährlicheren Kante heraus gehalten werden kann. Durch die meist nicht gerade Seilführung ist der Verschleiss im Mantelbereich deutlich höher als in der Halle. Manchmal hat man auch einfach Pech: Vor ein paar Jahren ist auf der ersten Route mit einem neuen Seil ein kleiner Stück Fels direkt auf das Seil am Boden gestürzt und hat glatt denn Mantel durchschlagen. Dazu scheuerte dann auf der anderen Seite das Seil unglücklich an einer Kante. Nach Begutachtung der Schäden (beide Stellen lagen jeweils in den ersten 10 Metern des Seils, nur halt auf gegenüberliegenden Seiten), wurde aus dem 80m- halt ein 60m-Seil, die Mittelmarkierung durfte bleiben 🙂

Im Aöpinbereich wird eher selten mit einem Einfachseil geklettert, hier finden eher Zwillings- oder Halbseile Verwendung. Zwei Seilstränge bieten besonders im alpinen Gelände, in dem Absicherung in der Regel schlechter dafür die Einwirkungen auf das Material höher ist einen deutlichen Sicherheitsgewinn durch Redundanz. Ganz nebenbei lässt sich durch zwei separate Seilstränge die Seilführung manchmal optimieren (nur bei Halbseilen, Zwillingsseile müssen immer in die gleiche Zwischensicherung geclippt werden). Sicherheitsbewusste Alpinkletterer werden nicht mehr einwandfreie Seile schnell austauschen, das kann durchaus auch schon nach nur wenigen Routen sein.

Man sieht, die Lebensdauer eines Kletterseils hängt von vielen Faktoren ab, die nicht generell vorhergesagt werden können. Als Faustregel sollte gelten, lieber zu früh als zu spät getauscht.

Kann ein Seil eigentlich reißen? Ja, aber beim Sportklettern kommt das äusserst selten vor. Beim Sportklettern reisst ein Seil eigentlich nur bei einer Belastung über eine Kante. Wer mehr dazu erfahren möchte, kann gerne beim Deutschen Alpenverein nachlesen : https://www.alpenverein.de/bergsport/sicherheit/klettern/seilrisse_aid_28282.html

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