kleine Karabinerkunde Teil 1 – Verschlusskarabiner (aktualisiert)

Jeder Kletterer kennt zumindest einige der gängigen Karabiner, aber wo sind eigentlich die wesentlichen Unterschiede?

Zunächst unterscheidet man zwischen Karabinern mit Schnappverschluss und solchen mit Schraub(oder ähnlich)Verschluss. Die erstgenannten sind für Zwischensicherungen – Expressen – gedacht, die letzteren dienen, zumindest beim Hallenklettern, zur Verbindung des Sicherungsgeräts mit dem Gurt.

Kommen wir zuerst zu den Schraub- oder Verschlusskarabinern. Am gängisten sind hier die “echten” Schraubkarabiner, erhältlich in den unterschiedlichsten Formen, Farben und Größen. Hier eine kleine Auswahl.

Wesentliche Gemeinsamkeit ist die Schraubhülse, die den Verschluss vor unbeabsichtigtem Öffnen sichert. Nachteilig ist, dass diese unter ungünstigen Umständen wieder gelöst werden kann, z.B. durch ein darüber laufendes Seil. Auch die Hand des Sichernden kann unbeabsichtigt den Verschluss öffnen, daher legt man den Verschlusskarabiner immer mit dem Verschluss von der Bremshand weg zeigend.

Dies verhindern sogenannte Gatelock Verschlusskarabiner, wie hier abgebildet.

Rechts ein Schraubkarabiner mit Gatelock, links ein Twistlockkarabiner ebenfalls mit Gatelock (nicht mehr im Handel erhältlich). Beiden ist gemein, dass sich der Kunststoffsteg nur schliessen lässt, wenn der Karabiner selbst geschlossen und im Fall des Schraubkarabiners dieser auch zugeschraubt ist. Der Kunststoffsteg verhindert ein unbeabsichtigtes Öffnen recht zuverlässig. Nachteil: manche, grössere Sicherungsgeräte lassen sich durch die verkleinerte Karabineröffnung nicht mehr richtig bedienen, der Kabelsteg eines ATC kann den Steg sogar unbeabsichtigt wieder öffnen.

Ebenfalls weit verbreitet sind Trilock-Twist-Karabiner.

Diese verschliessen selbsttätig und lassen sich nur wieder öffnen, indem man die Hülse nach oben drückt, dreht und dann den Verschluss öffnet. Der abgebildete Karabiner hat zusätzlich eine kleine Drahtfeder am unteren Ende, diese in die Anseilschlaufe des Klettergurts eingeklippt verhindert, dass sich der Karabiner verdreht und es zu einer ungünstigen Querbelastung kommt.

Update: Ball-Lock-Karabiner
Neben den Twist-Lock-Karabinern gibt es eine erweiterte Form, die sogenannten Ball-Lock-Karabiner.

Der wesentliche Unterscheid zum Twist-Lock-Karabiner liegt in der zusätzlichen Sicherung durch den kleinen grünen Knopf, der zum Öffnen gedrückt und während des öffnens gehalten werden muss -/Update

Eine weitere Form des Verschlusskarabiners ist der sogenannte Clepsydra von Grivel.

Die Nutzung des Karabiners bedarf etwas Übung, geht dann aber sehr flott von der Hand. Zum Ein- oder Aushängen muss immer nur einer der beiden gegenläufig angebrachten Schnapper bewegt werden, zum Einhängen der goldene, zum Aushängen der Schwarze. Der jeweils andere wird durch das Seil, Gerät, etc. von alleine geöffnet. Beide Schnapper greifen geschlossen ineinander und lassen sich durch das eingehängte Seil oder Gerät im Normalfall nicht unbeabsichtigt öffnen. Auch dieser Verschlusskarabiner hat eine Feder zum Fixieren in der Anseilschlaufe.

Sonderfall Schraubkarabiner aus Stahl

Schraubkarabiner sind im Regelfall aus Aluminium um Gewicht zu sparen. Es gibt jedoch auch Schraubkarabiner aus Stahl, die eine deutlich höhere Bruchlast haben, dieser hier z.B. 30 kn geschlossen, 15 kn in Querrichtung und 10 kn offen. Dies bezahlt man jedoch mit einem wesentlich höheren Gewicht, daher finden diese Karabiner beim Sportklettern eher keine Anwendung.

Ein Sonderfall der Schraubkarabiner ist auch dieser hier.

Statt einer Feder, die den Karabiner in der Anseilschlaufe hält, geschieht dies durch einen Steg, der sich mit dem Verschluss bewegt und den Karabiner im geschlossenen Zustand in der Anseilschlaufe fixiert. Diesen Karabiner sieht man beim Sportklettern des öfteren

Ein weiterer Sonderfall ist dieser Karabiner.

Der abgebildete Twistlock-Karabiner hat seitlich eine weitere Öse mit einem Federschnapper. Gedacht ist der Karabiner für Sicherungsgeräte wie das Grigri, Eddi oder ähnliche. Zum leichteren und kontrollierteren Ablassen kann das Bremsseil in die seitliche Öse geklippt werden und hat dadurch mehr Reibung, läuft allerdings auch besser in das Gerät. Der Karabiner ist nur für die vorgesehenen Sicherungsgeräte geeignet und darf aufgrund des Twistlockverschluss nicht mit Sicherungsgeräten verwendet werden, die das Seil über den Karabiner selbst führen!

Der Klettersteigkarabiner ist ebenfalls ein spezieller Verschlusskarabiner.

Eher selten in Kletterhallen anzutreffen und wenn dann als Karabiner an einer Bandschlaufe am Gurt zur schnellen Selbstsicherung. Der Karabiner verschliesst selbsttätig und lässt sich nur öffnen, wenn der Handballen den gegenüberliegenden Mechanismus betätigt. In der Regel haben Klettersteigkarabiner eine höhere Bruchlast als normale Schraubkarabiner, bedingt durch die eventuell höhere auftretende Belastung am Klettersteig.

Zu guter Letzt noch ein Unikum

Der Karabiner hat sich nicht beim Klettern verbogen, nein den konnte man tatsächlich so kaufen. Die asymmetrische Bauform sollte verhindern, dass das Seil (oder die Finger) zwischen Karabiner und Fels eingeklemmt werden.

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