Seilarten verständlich gemacht

Ein Kletterseil ist ein Kletterseil, so einfach ist es leider nicht. Wer nur zum Toprope-Klettern in die Halle geht hat eh keine große Auswahl, in den Routen hängen ja schon Seile, da gibt es nix zu unterscheiden. Spätestens wenn es an den Vorstieg, auch Lead-Climbing genannt geht, sollte man sich zumindest rudimentär mit den unterschiedlichen Seilarten beschäftigen.

Das Einfachseil

Die Seilart, den man in der Halle fast ausschliesslich antrifft. Zum Sportklettern wird sehr häufig auf Einfachseil zurückgegriffen, es heisst so, weil ein Strang Seil für die beim Klettern typischerweise auftretenden Belastungen ausgelegt ist und ausreicht.
Das Seil kann unterschiedlich dick (und natürlich auch lang) sein, das hat aber mit der Belastbarkeit nichts zu tun, es sollte lediglich von der Dicke her zum verwendeten Sicherungsgerät passen. Daher vor dem Seilkauf schnell noch mal in die Anleitung des Geräts schaun, die ihr hoffentlich brav aufgehoben habt. Gekennzeichnet ist ein Einfachseil durch eine 1 in einem Kreis auf der Banderole am Seilende.

Belastbar muss ein Einfachseil wie folgt sein: Es muss 5 Normstürze – 80 kg mit Sturzfaktor 1,75 über eine 5mm-Kante – aushalten ohne zu reissen; das liegt weit jenseits der Energie von Stürzen wie sie beim Sportklettern in der Halle auftreten.

Das Zwillingsseil

Zwillingsseile trifft man in der Halle eher nicht an, es sei denn jemand trainiert explizit den Umgang damit. Beim Vorstiegs-Klettern werden immer zwei Seilstränge parallel verwendet, die auch beide parallel geclippt werden. Vorteil dabei ist die Redundanz auch wenn die Belastbarkeit eines Seils deutlich geringer ist als beim Einfachseil. Verwendung finden Zwillingsseile beim alpinen Klettern, da hier die Gefahr des Durchscheuerns oder Schäden durch Steinschlag gegeben sind. Zwillingsseil ist durch zwei verschlungene Kreise auf der Banderole gekennzeichnet.

Belastbar muss ein Zwillingsseil wie folgt sein: Beide Stränge zusammen müssen 5 Normstürze – 80 kg mit Sturzfaktor 1,75 über eine 5mm-Kante aushalten ohne zu reissen.

Das Halbseil

Zwillingsseile unterscheiden sich äusserlich wenig von Halbseilen, man sollte sie jedoch nicht verwechseln. Auch hier werden beim Klettern beide Stränge parallel geführt, jedoch dürfen diese auch nicht parallel geclippt werden sondern z.B. abwechselnd wenn die Routenführung dadurch einfacher wird.

Ein weiterer Vorteil des Halbseils ist, dass bei Dreierseilschaften ein Kletterer vorsteigen kann und danach an den beiden Strängen des Halbseils gleichzeitig zwei Nachsteiger sichert. Halbseil ist durch ein 1/2 im Kreis auf der Banderole gekennzeichnet.

Belastbar muss ein Halbseil wie folgt sein: Ein einzelner Strang muss 5 Normstürze – 55 kg mit Sturzfaktor 1,75 über eine 5mm-Kante aushalten ohne zu reissen.
Ein weitere Anwendungsbereich von Halbseilen ist die Verwendung zur Gruppensicherung bei Gletschertouren o.ä.

Ich habe gerne ein 30m Halbseil bei Klettersteigtouren im Rucksack, ermöglich das Nachsichern schwächerer Teilnehmer und ggfs. den Rückzug aus dem Klettersteig mit Abseilen auf Raten.

Alternativ gibt es auch Seile, die für alle drei Seilarten zertifiziert sind.

Seillängen

Lange war 50m die Standardlänge schlechthin, auch heute gibt es noch gute Gründe für ein 50m Einfachseil. Wer gerade erst mit dem Vorstiegsklettern angefangen hat möchte sicher nicht für unterschiedliche Anwendungen (Halle, draussen) jeweils ein separates Seil kaufen, zumal die Hauptanwendung wohl eher in der Halle liegen wird.

Für die meisten Hallen ist ein 40m Seil ausreichend, genauer kann man sich vor dem Kauf beim Hallenbetreiber informieren. Wer ein Hallenseil hat und nun noch eines für draussen kaufen möchte greift oft zum längeren 60m oder sogar 80m Seil, abhängig vom bevorzugt besuchten Klettergebiet. Hier geben gute Kletterführer Auskunft, bei den jeweiligen Routen ist i.d.R. beschrieben wie lang diese ist, nicht vergessen den Wert zu verdoppeln, sonst wird’s mit dem Runterweg eng ….

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