Grundausrüstung für das Felsklettern

Neben der absoluten Grundausrüstung, die bereits für das Hallenklettern erforderlich ist (Gurt, Schuhe, Sicherungsgerät), sind für das Felsklettern diverse zusätzliche Ausrüstungsgegenstände erforderlich.

Hier die Minimalausstattung:

– Seil (60 bis 80 Meter)

– Expressen (auch Pärchen oder Quickies genannt) minimum 8 Stück

– 2 bis 3 Bandschlingen

– Selbstsicherungsschlinge

– 2-3 Schraubkarabiner

Die Ausrüstung bezieht sich auf eine Zweierseilschaft und ist das absolute Minimum. Ebenso ist hiermit nur ein Klettern in Klettergärten möglich, die bereits durch Bohrhaken, Bühlerhaken oder ähnliches abgesichert sind.

Mein dringender Hinweis zum Felsklettern: geht nicht einfach hinaus wenn ihr noch nie im Vorstieg geklettert seid oder keine Felserfahrung habt! Ihr geht ein vermeidbares Risiko ein. Schaut besser auf die Seite eurer nächstgelegegen DAV Sektion, dort werden sehr kostengünstig Vorstiegs- und Outdoorkletterkurse angeboten, die Euch das für das Felsklettern absolut notwendige Wissen und Können vermitteln. Auch Kletterhallen des KLEVER-Verbands bieten solche Kurse an. Geht nach dem Kurs mit erfahrenen Felskletternden mit und profitiert von deren Können und Erfahrung, so wird auch Euch das Felsklettern lange Freude bereiten.

Klettern in Italien

Italien bietet eine Vielzahl interessanter Klettergebiete, die sowohl von der Felsstruktur als auch der Lage sehr vielfältig sind. Die wohl bekanntesten Gebiete sind Arco am Gardasee und Finale in Ligurien. Aber auch an den anderen oberitalienischen Seen findet man den einen oder anderen interessanten Felsen.

Arco gilt auch heute noch als das Mekka des Felskletterns, so sehen viele der direkt um den Ort liegenden Felsen leider auch aus. Das häufige Klettern am Fels hat seine Spuren hinterlassen, insbesondere in Form völlig abgekletterter Griffe. Allerdings muss man sagen, dass die Absicherung rund um Arco als vobildlich zu bezeichnen ist, attraktive Hakenabstände und sehr gut sanierte Routen laden auch den weniger geübten Kletterer ein. Da Gardasee nicht gleich Arco ist findet auch der etwas ambitioniertere Kletterer Gebiete, die etwas mehr Können verlangen und dafür etwas weniger Publikum und erstklassige Routen bieten. Als Beispiel können hier die Jurikarischen Täler angeführt werden, die nicht mehr direkt am See liegen aber per Auto schnell zu erreichen sind.
Einen Kletterführer für Arco gibt es bei Amazon ~~Best of Arco: Sportclimbing Guide. Barco, Sarcatal, Judikarien, Trient und Rovereto~~, eine Besonderheit bei diesem Führer liegt in der zugehörigen App für Smartphone und Tablet, für die sich per Freischaltcode aus dem gedruckten Buch die jeweils elektronische Variante herunterladen lässt.

Gelegentlich trifft man auch Klettergrössen in Arco (der Autor mit Adam Ondra links)

Finale liegt an der italienischen Riviera, zwischen Genua und Frankreich. Besonders im Frühjahr, wenn noch nicht so viele Kletterer in der Gegend unterwegs sind, ist Finale ein lohnendes Ziel. Im Mai ist es dort bereits angenehm warm, es fehlt noch die brennende Mittagshitze des Sommers. Nicht nur Kletterer sind hier in grösserer Zahl anzutreffen, auch für Mountainbiker scheint Finale ein sehr attraktives Ziel zu sein.
Einen Kletterführer zu Finale gibt es bei Amazon ~Finale 8.0 Rockclimbing Finale Ligure~~, hier kann wie bei dem Arco-Führer eine elektronische Version per Freischaltcode für Smartphone und Tablet bezogen werden.

Sehr interessant ist auch die Möglichkeit, an einer Stelle bei Capo Noli direkt über dem Meer zu klettern, allerdings sind dort die Schwierigkeitsgrade der Routen eher etwas höher. Gelegentlich ist dort auch eine lange Slackline zwischen zwei Felsen direkt über das Meer gespannt, da kann man mal zeigen was man so drauf hat.

Neben den eigentichen Klettergebieten rund um Finale gibt es das sogenannte Oltre Finale; Klettergebiete die sich ohne Auto eher nicht mehr erreichen lassen, die aber einen interessanten Gegenpol zu der Gegend um Finale darstellen. In der Regel ist dort auch weniger Betrieb ….
Einen Kletterführer zu Oltre Finale gibt es bei Amazon ~~Oltre Finale – Rockclimbing in West Liguria~~, auch hier kann eine elektronische Version per Freischaltcode für Smartphone und Tablet bezogen werden. Zum Thema Oltre Finale gibt es auf klettern.one einen eigenen Bericht, zu finden ist dieser hier.

Wer nicht ganz so weit reisen möchte, findet auch am Lago Maggiore den einen oder anderen interessanten Felsen. Hier ist jedoch sehr viel Plattenkletterei angesagt, das muss man auch erst mal mögen. Ein Nachteil ist, dass es m.W. keinen deutschsprachigen Kletterführer für die Gegend gibt, der Führer von Maurizio Pellizzon ist in italienisch, es gibt jeweils eine kurze Zusammenfassung des einzelnen Kapitels in deutsch.
Der Führer ist ebenfalls über Amazon erhältlich, ~~Ossola Rock Sportklettern und alpines Klettern in Ossola und im Valsesia: Spit e Trad dal Lago Maggiore al Sempione, Valli Antigorio e Formazza~~~

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Steinwand Rhön

Ein kleines aber dafür sehr feines Klettergebiet findet sich in der hessischen Rhön, unweit der Wasserkuppe. Die Steinwand beeindruckt durch massiv aufragende Säulen, die auf den ersten Blick nur schwer zu bezwingen scheinen. Tatsächlich gibt es nur wenige wirklich einfache Routen, die auch gut abgesichert sind, aber diese sind dann wirklich sehr genussvoll zu klettern. Viele Routen liegen im mittleren Schwierigkeitsbereich, sind aber besonders im vorderen Teil der Wand recht gut abgesichert.

Auch wenn es nach Basalt aussieht besteht die Wand doch aus einem anderen, jedoch ähnlichem Gestein: Phonolit. Die Wand ist ca. 100 Meter lang und bis zu 20 Meter hoch, viele Routen wurden in den letzten Jahren saniert und mit Bühlerhaken abgesichert. Man beachte, dass der Fels und das Gelände auf dem er liegt Privatbesitz sind und das Klettern vom Besitzer geduldet ist, daher bitte entsprechend verhalten und die Umwelt schonen. Der Einsatz von Magnesia ist explizit verboten, ebenso das eigenmächtige Einbohren von Routen.

Besonders an den Wochenenden und während der hessischen Schulferien ist das Klettergebiet gut frequentiert, es empfiehlt sich früh da zu sein.

Die Steinwand ist in keinem mir bekannten kommerziellen Kletterführer enthalten, die Sektion Fulda des Deutschen Alpenvereins hat jedoch ein Topo herausgegeben, welches man für kleines Geld in der in direkter Nähe zum Fels gelegenen Gaststätte erwerben kann (empfehlenswert, die Einschätzung der Schwierigkeitsgrade fiel mir aufgrund des ungewohnten Gesteins sehr schwer und ich lag oft ziemlich daneben …)

Im vorderen Bereich der Steinwand (vom Parkplatz hinter der Gaststätte aus gesehen) sind viele Routen gut mit Bühlerhaken und Umlenkern abgesichert, es gibt jedoch auch etliche Routen die eine eigene Absicherung erforderlich machen. Gut beraten ist man mit einem Set Klemmkeilen (oder besser Tricams) und kleinen bis mittleren Friends (oder besser Camelots).

Vor dem Fels steht man ebenfalls auf Felsplatten, diese können bei feuchtem Wetter sehr rutschig sein, da doch viel Moos und Flechten darauf wachsen. Man sollte als Sichernder auf jeden Fall festes Schuhwerk mit guter Sohle tragen.

Durch die in vielen Routen angebrachten Umlenker ist ein Ausstieg auf die Felsköpfe vermeidbar, das schont die dort heimischen Pflanzen (und mindert das Sturzrisiko).

Helm sollte, wie eigentlich immer am Fels, auf dem Kopf sein, besonders auch beim Sichernden, es fällt doch gerne mal was runter und findet magischerweise sehr oft den unbehelmten Kopf ….

Oltre Finale – Finale’s Hinterland

Finale Ligure dürfte vielen Kletterern bekannt sein, Meer und Felsen dicht an dicht. Ein Paradies für Kletterer und Mountainbiker. Fährt man im Frühjahr nach Finale, ist es dort noch nicht so überfüllt und die Klettertage an den Felsen sind noch nicht so heiss. Gerne geniesst man nach dem Klettern die mediterrane Küche in der Altstadt von Final Borgho.

Doch neben den unendlich vielen Kletterfelsen in Finale gibt es auch noch das Hinterland, Oltre Finale genannt. Die Auswahl dort ist nicht weniger gering, allerdings ist – meiner Meinung nach – die Felsqualität deutlich besser, ganz einfach, weil viel weniger Kletterer den Felsen frequentieren.

Nachteil: Ohne Auto kommt man aus Finale eher sehr schlecht ins Hinterland, für die meisten Gebiete dort muss man eine Autobahnabfahrt weiter fahren. Die hier gezeigten Bilder stammen aus dem Gebiet Santa Lucia, dazu fährt man von Toirano die SP1 Richtung Boissano und nimmt den Abzweig zur Grotte.

Dafür wird man dort mit solch spektakulären Kletterrouten belohnt, wer ist schon mal neben einer Kirche in einer Felsnische geklettert …. In direkter Nachbarschaft der Kirche ist eine grosse Tropfsteinhöhle, wer nach dem Klettern eine Abkühlung braucht, schaut sie sich gerne mal an (kostet allerdings Eintritt). Auf der linken Seite des Bilds sieht man einen Steinbruch, rechts des Steinbruchs findet sich ein weiteres Klettergebiet mit vielen leichten Routen.

Den Kletterführer zu Oltre Finale gibt es von Andrea Gallo u.a. bei Amazon, siehe dieser Affiliate-Link.

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Klettersteig: Via Ferrata Ernesto Che Guevara

Der Klettersteig schlechthin: die Via Ferrata Ernesto Che Guevara. Einer der schönsten Klettersteige am Gardasee, dabei geht die Schwierigkeit nicht über C (2 Stellen) hinaus. Allerdings ist auf diesem Klettersteig, der den ganzen Tag in der Sonne liegt, ein Höhenunterschied von über 1500m zu bewältigen, gute Kondition und genügend Wasser sind hier die absolute Voraussetzung.

Lange Drahtseilpassagen wechseln sich mit kurzen Gehstücken ab, langweilig wird der Steig eigentlich nie. Der Einstieg befindet sich in Pietramurata direkt neben dem Kieswerk und ist ausgeschildert, man geht nicht über das Firmengelände sondern folgt dem beschilderten Weg.

Da die Wand Monte Casale während der kompletten Tour in der Sonne liegt, ist unbedingt ausreichend Trinkwasser mit zu nehmen, ein Liter ist bei weitem nicht genug. Der Klettersteig ist mit B/C bewertet, die grösste Herausforderung liegt nicht in der Schwierigkeit sondern der geforderten Kondition. 1500 Höhenmeter Klettersteig muss man erst mal bewältigen können, daher ist dieser Steig definitiv nicht für Anfänger geeignet.

Die Wegführung in der langen, steilen Wand ist geschickt angepasst, von unten wundert man sich über die Tatsache, dass dieser Klettersteig technisch so niedrig bewertet ist. Die passende Kondition vorausgesetzt ist der Steig ein wirklich schönes Erlebnis und macht grossen Spass.

Auf dem Gipfel angekommen lädt an den Wochenenden von Mai bis Oktober das Refugio Don Zio zu einem kühlen Getränk ein, bevor es wieder an den Abstieg geht, den man über 3 doch sehr lange Wege bewältigen kann: Weg 411, sehr steil und eher nicht zu empfehlen, Weg 427 nicht ganz so steil, endet wieder in Pietramurata. Alternativ kann man auch die Zufahrtstrasse nach Comano Terme hinunter laufen, muss dann allerdings von dort mit dem Bus zurückfahren.

Man sollte für die gesamte Tour mindestens 8 Stunden einkalkulieren, da es recht heiss werden kann ist ein zeitiger Start anzuraten. Nicht vergessen, dass es im Frühjahr noch recht früh dunkel wird, der Abstieg sollte noch bei Tageslicht zu bewältigen sein, da es teilweise über Geröll geht und auch steilere Passagen zu bewältigen sind.

kleine Abseilkunde

Spätestens wenn es im Klettergarten in Mehrseillängen geht oder man eine vogestiegene Route abbauen möchte stellt sich die Frage nach dem passenden Abseilgerät. Ich stelle hier die gängigen Methoden vor.

Abseilachter

Der klassische Abseilachter ist immer noch das in Klettergärten (und alpin) am weitest verbreitete Tool, wenn es ums abseilen geht. Robust und günstig, und wenn man es gut beherrscht auch für eine schneller Fahrt abwärts geeignet. Nachteil: das Seil krangelt gerne und bei fehlerhafter Verwendung ist man schneller (und ggfs. auch weiter) unten als gedacht. Grundsätzlich sollten die beiden durchlaufenden Seilstränge jeweils am Ende einen Sicherungsknoten haben, damit man nicht versehentlich über das Seilende hinaus abseilt. Ausserdem ist es sehr sinnvoll, die Seilstränge mit einer Reepschnur per Prusikknoten zusätzlich gegen versehentliches Loslassen zu sichern.

Den Abseilachter gibt es in unzähligen Farben und Formen, die Handhabung ändert sich jedoch nicht wesentlich.

Alternative Abseilmethoden

Neben dem Achter gibt es natürlich noch andere Methoden sich selbst abzuseilen, hier eine kleine Auswahl.

Abseilen kann man auch mit dem ATC Guide, man führt beide Stränge durch das ATC und den mit dem Gurt verbundenen Karabiner. Funktioniert ähnlich gut wie der Achter, es krangelt nicht so stark. Die Risiken sind die gleichen wie beim Achter, da die Bremswirkung beim Loslassen des Seils nicht mehr vorhanden ist. Daher am besten auch per Prusik hintersichern. (Knoten in den Seilenden ist bei allen gezeigten Methoden ein absolutes Muss!) Vorteil: Wenn man sowieso per ATC sichert benötigt man kein weiteres Gerät am Gurt.

Ebenfalls Abseilen kann man mit einem Smart Alpin, auch hier beide Seilstränge durch das Gerät und den mit dem Gurt verbundenen Karabiner. Grösster Vorteil: Man dosiert die Abseilgeschwindigkeit durch den Kippwinkel des Geräts, bleibt es in Nullstellung geht es nur noch sehr langsam oder überhaupt nicht weiter abwärts. Knoten am Seilende sind ein Muss!

Grundsätzliches: Bevor man die hier beschriebenen Methoden verwendet ist es absolut erforderlich, die Handhabung der gezeigten Geräte zu beherrschen. Einen Artikel zu lesen und dann zu glauben, man beherrsche die Technik ist fahrlässig! Daher sind die hier gezeigten Tipps informativ und ersetzten keine entsprechende Ausbildung, keine Gewähr bei eventuellen Unfällen.

Kennzeichnung auf Karabinern

Was bedeuten eiegentlich die Zahlen und Markierungen auf einem Karabiner? Das lässt sich leicht erklären …

Grundsätzlich sind auf Karabinern 3 Werte in kN (Kilonewton) angegeben, Ausnahme kommt weiter unten. Der erste Wert, hier 29 kN gibt die maximale Längsbelastung des geschlossenen Karabiners an, erkennbar an den beiden Pfeilen nach rechts und links. Der zweite Wert, hier 9 kN zeigt die maximale Querbelastung des geschlossenen Karabiners, erkennbar an den Pfeilen nach oben und unten. Der dritte und letzte Wert, hier 9 kN gibt die maximale Belastbarkeit eines geöffneten Karabiners an, erkennbar an dem Piktogramm eines geöffneten Schnappers.

Manchmal sind die Werte eingraviert, manchmal auch aufgedruckt; entweder auf der Seite des Karabiners oder auch auf dem Rücken.

Eine Ausnahme bilden Karabiner, die nicht geöffnet verwendet werden können, z.B. dieser Gatelock Twist-Karabiner, hier sind nur die maximale Längs- und Querlast angegeben. Die Erklärung zu Gatelockkarabiern finden Sie in diesem Artikel.

Seilarten verständlich gemacht

Ein Kletterseil ist ein Kletterseil, so einfach ist es leider nicht. Wer nur zum Toprope-Klettern in die Halle geht hat eh keine große Auswahl, in den Routen hängen ja schon Seile, da gibt es nix zu unterscheiden. Spätestens wenn es an den Vorstieg, auch Lead-Climbing genannt geht, sollte man sich zumindest rudimentär mit den unterschiedlichen Seilarten beschäftigen. „Seilarten verständlich gemacht“ weiterlesen